Unsere Referentinnen Nila Schlenker, Stefanie Segatz und Jana Nopper mit Laura Hornstein vom Literaturpädagogischen Zentrum Stuttgart (von links nach rechts).

11. Dezember 2023

Taufflug am Literaturhaus Stuttgart

mit Stefanie Segatz und den Copilotinnen Nila Schlenker und Jana Nopper.

Erstmals startete das Projekt »Gedankenflieger« am Literaturhaus Stuttgart. Im frisch renovierten Saal mit kleiner Bühne fanden sich voller Erwartung zunächst die Klasse 4a der Grundschule Gablenberg und danach die Klasse 3b der Ameisenbergschule ein. Meine beiden Copilotinnen Nila Schlenker und Jana Nopper aus Stuttgart unterstützten tatkräftig beim ersten Kennenlernen und kamen beim Beschriften der Namensschilder schon gleich ins erste Gespräch mit den Kindern.

 

»Was ist Zeit?« Mit dem 1000-Dinge-Glas näherten wir uns anschaulich und spielerisch dem Begriff an. »Welcher Gegenstand hat für dich mit Zeit zu tun, und warum?« lautete die Frage zu den kleinen Gegenständen und Figuren, die sich in der Mitte des Stuhlkreises auf dem Boden befanden. Jedes Kind konnte sich für einen Gegenstand entscheiden, ihn in die Hand nehmen, beschreiben und begründen, warum es sich gerade mit diesem Gegenstand zum Thema »Zeit« in Beziehung setzen konnte. Für Najla war es das Schwarzweiß-Foto mit dem gezackten Rand, auf dem die Menschen so komisch angezogen waren, für Manuella waren es die kleinen Kinderschuhe, Ivan entschied sich für das kleine Öllämpchen und wollte sich gleich etwas wünschen.

 

Mit dem Bilderbuch von Philip Waechter »Ein Tag mit Freunden« stellten wir uns die Frage, was Zeit eigentlich kostbar macht, wie unterschiedlich sie sich anfühlen kann und was mit Freunden frei gestaltete Zeit vom Abarbeiten von Tagesplänen unterscheidet. Und hat man Zeit automatisch gewonnen, wenn man sie einspart? Im »Gedankenflieger«-Magazin entwarfen wir eine ganz eigene Tagesgestaltung und waren überrascht, was einem im Laufe eines Tages so alles begegnen und passieren kann, wenn man keine festen Pläne hat. Yoakim war als erster so mutig, die kleine Bühne zu betreten und seine Geschichte vorzustellen, viele andere folgten – bedacht mit Staunen und Wertschätzung.

Mit der Klasse 3a starteten wir mit einer kleinen Einführung in das Thema Philosophieren und die Frage nach der Zeit. Dabei hielt Jana Nopper die Gedanken der Kinder auf unserer Mindmap mit, die wir im Anschluss der Klasse mitgaben, um den Faden in der Schule wieder aufzunehmen.

Dann übernahm Nila Schlenker und begab sich mit dem Buch »Es war einmal und wird noch lange sein« von Johanna Schaible mit den Kindern auf Zeitreise. Einige Dinosaurierspezialisten konnten sich gedanklich mühelos ins Mesozoikum versetzen. Danach machten wir uns Gedanken, wie lange so ein Pyramidenbau wohl gedauert hat. Über den winzigen Moment der Gegenwart sausten wir in die Zukunft. »Wirst du einmal Kinder haben?« »Ja!«, war die einhellige Antwort der Klasse 3b. Und woher wissen die Zugvögel, wann es Zeit zum Aufbruch ist? Gibt es so etwas wie eine innere Uhr, und wie unterscheidet sie sich von anderen Uhren? Nila Schlenker fasste abschließend zusammen: Die Vergangenheit können wir nicht mehr beeinflussen, für die Zukunft können wir nur hoffen – die Gegenwart ist die Chance, zu handeln und Weichen zu stellen. »Man kann Erlebnisse im Kopf festhalten«, überlegte Lina, »und dann werden sie zu Erinnerung.«

Im Magazin setzten wir die begonnene Reise fort und flogen mit unserer eigenen Zeitmaschine an einen Ort und in eine Zeit unserer Wahl. Da gab es Besuche bei den Sauriern und Pyramiden, Zukunftspläne für Olympia und Kochschulen in Südfrankreich, aber auch den Wunsch, zurück zu reisen in eine Vergangenheit, in der »Mama und Papa noch zusammen waren.« Dass eine Minute richtig wichtig sein kann, stellte das Zwillingspaar Hanna und Sofie unter Beweis: Diese eine Minute Vorsprung bei der Geburt macht aus den beiden eine große und eine kleine Schwester – eine Rollenverteilung, die manchmal wichtig sein kann. Oder sich mit der Zeit verliert…

 

Beide Klassen wurden sehr aufmerksam von interessierten und zugewandten Lehrkräften begleitet, die sicher noch den einen oder anderen Gedankengang mit den Kindern und unserem Magazin weiter führen werden. Wir alle drei danken Laura Hornstein vom Literaturpädagogischen Zentrum Stuttgart für den schönen Start in Stuttgart, die herzliche Gastfreundschaft, die tolle Orga und das große Interesse am Projekt »Gedankenflieger«. Im neuen Jahr geht es weiter!

 

Stefanie Segatz