
28. Juni 2026
»Hoffnung wohnt auf einer Wolke«
Vier »Gedankenflüge« an der Schule Charlottenburger Straße mit Ina Schmidt, Jörg Bernardy und Anne Jaspersen.
Mit insgesamt vier »Gedankenflügen« sind wir Philoty ein letztes Mal an der Schule Charlottenburger Straße zu Gast, gefördert von der Stiftung Kinderjahre. Da wir die Schule bereits im vorletzten Jahr kennen- und schätzengelernt haben, freuen wir uns sehr darüber, noch einmal die Möglichkeit zu bekommen, an dieser Schule gemeinsam mit den Kindern der dritten Klassen zu philosophieren.
Bei ungewöhnlich heißen Temperaturen im Juni besuchen Ina und ich zuerst die Fledermäuse und anschließend die Schildkröten mit der philosophischen Frage »Was kann ich hoffen?« im Gepäck. Nach einer kurzen Einführung spielen wir mit der ersten Gruppe das Hüpfspiel und staunen gemeinsam darüber, dass das Wort »hoffen« mit dem Wort »hüpfen« verwandt ist.
Wir überlegen, ob »hüpfen« und »hoffen« auch inhaltlich etwas miteinander zu tun haben könnten und ein Kind wirft ein: »Hoffnung fühlt sich gut an. Ein bisschen aufgeregt. Manchmal könnte ich aufspringen vor Hoffnung!« Hoffnung kann man also fühlen. Und das Gefühl vielleicht mit einem Hüpfer unterstützen. Das gemeinsame Hüpfen (und hoffen) greifen wir im Spiel auf. Während ein Kind sich einen Gegenstand auf einem der acht Papppunkte aussucht und überlegt, warum es den Gegenstand mit Hoffnung verbindet, hüpfen wir alle im Kreis mit.
»Hoffnung ist eine Art Glaube, etwas schaffen zu können, auch wenn es schwierig ist«, stellt Emir fest und das trifft tatsächlich auf einige Gegenstände zu. Zum Beispiel, auf einen Kompass, der den eigenen Weg symbolisiert. Oder auf ein Labyrinth, aus dem man herausfinden muss. Aber auch auf eine Blume, die für Wachstum steht, denn wachsen kann manchmal schmerzhaft sein. Dann muss man durchhalten und darf sich nicht entmutigen lassen. Dafür braucht es Hoffnung.

Ähnliches zeigt das Buch »Ein Berg, ein Sturz, ein langes Leben«. Woran man glaubt, ist entscheidend und kann hoffnungsvoll stimmen oder das Gegenteil bewirken. Entsteht Hoffnung also im eigenen Kopf? Irgendwie schon, stimmen einige Kinder zu. Mit dem eigenen Gefühl von Hoffnung kann man ganz schön viel bewirken, wenn es ordentlich mit Energie aufgeladen wird und so finden sich im Magazin am Ende viele hoffnungsfrohe Zukunftsszenarien mit Konfetti und Glück, mit Berufswünschen und Luftballons, mit Tiergesundheit und Liebe.
In der zweiten Gruppe fragt Ina: »Was ist ein gutes Leben?«, um erlebbar zu machen, dass eine philosophische Frage nicht nur eine, sondern viele mögliche (richtige) Antworten hervorbringen kann. Und sofort sprudeln die Kinder los: Schlafen, spielen, Gesundheit, elektronische Geräte, Lebensmittel, schöne Familie, guter Job, Freunde, kuscheln, Liebe, Tiere, Geburtstage feiern, shoppen gehen, Urlaub, Freizeit, Dach überm Kopf, Ziele haben. Mitgezählt?
Und dann geht es natürlich um unsere zentrale Jahresfrage: »Was kann ich hoffen?« Die Kinder hoffen auf ein langes Leben und auf Gesundheit. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere. »Aber wie hofft ihr denn nun eigentlich ganz konkret?«, fragt Ina. Einige hoffen in Gedanken oder mit geschlossenen Augen. »Man kann sich auch selbst die Daumen drücken«, bemerkt ein Kind. »Oder ganz viel üben. Zum Beispiel beim Sport oder wenn man ein Musikinstrument lernt. Je besser es klappt, desto größer wird auch die Hoffnung, es irgendwann gut zu können«, sagt ein anderes.
»Dann probieren wir mal mit einem Würfel aus, wie sich gemeinsames Hoffen anfühlt«, schmunzelt Ina und packt einen großen Würfel aus. Ein Kind überlegt sich ein Zahl, die es laut ausspricht und würfelt. Alle hoffen mit. Einige hoffen in den Haaren oder im Herzen, andere im Gehirn oder mit gedrückten Daumen oder mit einer Vorstellung im Kopf.

In der ersten Runde wird die Hoffnung enttäuscht, denn es erscheint eine andere Zahl. Doch beim zweiten Mal klappt es! Die Freude ist groß und alle fühlen sich darin bestätigt, dass gemeinsames Hoffen etwas bewirken kann. Beim dritten Mal klappt es wieder nicht. Aber aufgeben ist natürlich keine Option. Denn das ist ja gerade das Wesen der Hoffnung. Sie hilft einem dabei, weiterzumachen. Dieses Phänomen erleben wir auch in der Geschichte »Hoffnung«, in der wir gemeinsam mit dem Hund Komet hoffen, dass er wieder gesund wird. Und diese Hoffnung erfüllt sich glücklicherweise ebenfalls.
Am Donnerstag sind Jörg und ich bei den Elefanten und den Koalas zu Gast. Wir gestalten beide »Gedankenflüge« gemeinsam und lassen den Kindern viel Zeit, ihre Gedanken bei der Hitze zu sortieren. Jörg vergleicht die Gedanken mit einem Vogelkäfig und erzählt, dass dieser Vergleich nicht von ihm, sondern von einem alten Philosophen namens Platon stammt. Die Kinder können sofort etwas damit anfangen, können sich gut vorstellen, wie ihre Gedanken ein- und aus- und manchmal auch einfach wegfliegen. Und dass es auf große Fragen, viele verschiedene Antworten geben kann.
Zum Thema Hoffnung spielen wir mit den Elefanten ebenfalls das Hüpfspiel einschließlich der Gegenstände auf den Papppunkten.
Wir hüpfen gemeinsam und sprechen über Glücksbringer, die das Hoffen unterstützen können (und sozusagen Hoffnungsträger sind), wir sprechen über Tiere (insbesondere Hunde), die Hoffnung geben können, den Kompass, der Sicherheit gibt, wenn der Weg nach Hause gefunden werden muss, das Herz, das immer eine Rolle spielt (denn ohne Herz keine Hoffnung), die Muschel, die auf Urlaub und Erholung hoffen lässt und die Blume, die eigentlich auch ein Stift ist und deshalb die Hoffnung auf gute Ergebnisse in der Schule befeuert.

Das Buch »Ich hab Wörter bis zum Mond« lesen wir mit verteilten Rollen, wodurch die Kinder der Geschichte gerne folgen und am Ende viele Ideen für die vier Hoffnungswörter haben, die der Papa seiner Tochter am Ende ins Ohr flüstert: »Mutig, stark, kreativ, schlau«, »Meine Wörter bleiben immer«, »Du bist super toll«, »Ich gebe dir Hoffnung«, »Ich vergess dich nie« und »Gute Nacht, mein Mädchen«. Wenn das keine Hoffnung macht!
Die Koalas machen sich viele Gedanken über ihre Gedanken und wie man sie fliegen lassen kann. Ein Kind ist sich ganz sicher, dass die Gedanken unsichtbar sind, während ein anderes Kind in den Raum ruft: »Ich sehe meine Gedanke gerade!« Ein weiteres Kind fragt, ob die Gedanken auch einfach weggehen können und noch jemand sagt ein wenig verzweifelt: »Ihr bringt meine Gedanken ganz durcheinander.«
Das kann natürlich passieren, wenn so viele Gedanken durcheinander purzeln, zumal es für einige Kinder gerade erst spannend wird: »Man kann Gedanken ja auch träumen, doch sind sie dann auch beeinflussbar?« Jörg bringt das luzide Träumen ins Spiel und an den Gesichtern der Kinder sehen wir: Auch ein interessantes Gedankenexperiment.
Wir lenken das Gespräch auf das Thema Hoffnung und spielen das Hüpfspiel. Dieses mal aber nicht mit Gegenständen obendrauf, sondern mit Fragen untendrunter. Jedes Kind, das auf einen Papppunkt hüpft, darf den Punkt umdrehen und die Frage vorlesen.
»Was ist das Gegenteil von Hoffnung?«, steht da zum Beispiel und wir stellen fest: Auch das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ist das Gegenteil vielleicht Angst? Oder Traurigkeit? Oder Mutlosigkeit?

Dann braucht man für Hoffnung also Mut? Irgendwie schon, meinen mehrere Kinder, denn ohne Mut könne man auch nicht hoffen. Mut sei sozusagen die Kraftquelle der Hoffnung.
Und wie sieht es mit Hoffnung riechen und Hoffnung hören aus? Das Lieblingsessen zu riechen würde schon Hoffnung machen und wenn die Hoffnung laut ausgeprochen wird, könne man sie schließlich auch hören.
»Für mich wohnt Hoffnung auf einer Wolke«, bemerkt ein Kind und sieht durch das Fenster nach draußen. »Dann kann ich direkt in die Hoffnung reingucken.« Was für ein hoffnungvolles Bild!
Nachdem Jörg das Buch »Ein Berg, ein Sturz, ein langes Leben« vorgelesen hat, geht es um die Frage, wie nah Glaube und Hoffnung eigentlich beieinander liegen, denn wenn man betet, hofft man ja auch. »Aber wenn man das Falsche glaubt, so wie der Großvater am Anfang im Buch, kann es für die Hoffnung genau das Gegenteil bedeuten«, wirft jemand ein. Interessant. Wie gut, dass sich im Buch das Blatt wendet und die Hoffnung siegt. Das kann gerne ganz konkret mit ein paar Purzelbäumen in der Mitte auf dem Teppich gefeiert werden!
Zum Schluss darf die eigene Hoffnung noch in Form von Hoffnungstieren im Magazin verewigt werden. Und es entstehen außer Hunden, Meerschweinchen und Kaninchen auch fliegende Katzen und ganze Fantasie-Tiergemeinschaften.
Was für großartige, kreative und kluge Kinder an der Schule Charlottenburger Straße doch unsere »Gedankenflug«-Runden bereichert haben!
Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Beteiligten und ganz besonders bei der Stiftung Kinderjahre für die langjährige Projektförderung!
Anne Jaspersen