
10. Mai 2026
Kann man Hoffnung riechen?
»Gedankenflieger« on tour in Salzgitter mit Stefanie Segatz und Anne Jaspersen.
Der Raps blüht, der Flieder duftet, der Himmel ist weit: Salzgitter empfängt uns bei bestem Maiwetter und wir freuen uns, wieder einmal mit Grundschulkindern aus dieser Region die Gedanken fliegen zu lassen.
Tag 1: Grundschule Steterburg – Hoffnung als gelebte Erfahrung
Zwei aufeinanderfolgende »Gedankenflüge« mit dritten Klassen fanden in der uns schon bekannten Grundschule Steterburg statt. Trotz der Gruppengröße von jeweils über 30 Kindern entstand im großen Musikraum eine bemerkenswert konzentrierte und zugewandte Atmosphäre.
Im Zentrum stand die natürlich unsere philosophische Fragestellung: Was kann ich hoffen? Schnell zeigte sich, wie präsent das Thema Hoffnung im Alltag der Kinder ist. So berichteten manche von der Hoffnung auf die Gesundung eines Familienmitglieds oder eines Haustiers, der Hoffnung auf gute Noten oder auch auf ein ersehntes Geschenk. Besonders eindrücklich waren dabei Formulierungen wie: »Hoffnung fühlt sich an wie Liebe« oder »Hoffnung hat mit Vertrauen zu tun«. Jedes Kind kannte die Erfahrung, auf etwas zu hoffen und auch, die damit verbundene Ungewissheit auszuhalten, »denn wenn man weiß, dass etwas passiert, braucht man ja nicht mehr zu hoffen«. (Ahmed, 10 Jahre).
Nach einem spielerischen Auftakt (siehe auch Tag 3 und 4) dienten zwei sehr unterschiedliche Bilderbücher als Impuls zum Weiterdenken: Das an ein südkoreanisches Märchen angelehnte Buch »Ein Berg, ein Sturz, ein langes Leben« von Daeyon Auh, das Hoffnung aus der Perspektive von Lebensbewältigung, Perspektivwechsel und Haltung thematisiert, sowie das Bilderbuch »Hoffnung« von Corrinne Averiss und Sébastien Pelon, in dem die Beziehung zu dem Hund »Komet« eine eher alltagsnahe, emotionale und zwischenmenschliche Dimension von Hoffnung sichtbar macht. In diesen Bilderbüchern konnten die Kinder unterschiedliche Facetten des Begriffs erschließen und in eigene Erfahrungen übersetzen.
Methodisch standen dabei zentrale Prinzipien des Philosophierens mit Kindern im Vordergrund: die Begegnung auf Augenhöhe, das bewusste Aussetzen von Bewertung, das aufmerksame Zuhören sowie das gemeinsame Weiterdenken von geäußerten Gedanken. Wir ermutigten die Kinder, ihre Aussagen zu begründen, Unterschiede wahrzunehmen und aufeinander Bezug zu nehmen – eine grundlegende Übung in Dialogfähigkeit.

Tag 2: Grundschule Hallendorf – Hoffnung mit allen Sinnen denken
Ein bedeckter Himmel begrüßte uns am zweiten Tag. Die Klassen 3a und 3b der Grundschule Hallendorf philosophierten zum selben Thema, diesmal begleitet von Pressevertreter:innen sowie einem Fototermin mit den Förderern, der Braunschweigischen Sparkassenstiftung. Große Aufregung, souverän bewältigt!
Ein bewegungsorientiertes Einstiegsspiel eröffnete die Einheit: Mit einer kleinen Hüpfbewegung wurde die Frage verbunden, ob Hoffnung nur »im Kopf« stattfindet oder auch sinnlich erfahrbar ist. Die Antworten der Kinder zeigten, wie differenziert sie diese Frage erschließen können: Hoffnung könne man sehen, »wenn man Blumen auf ein Grab pflanzt«, schmecken, »wenn meine Mutter Milchreis kocht«, hören »bei Musik oder einer Geschichte« und ganz besonders fühlen – »im Herzen oder beim Umarmen«.
Beim Riechen waren sich die Kinder zunächst unsicher, näherten sich dann aber über den Duft von Frühlingsblumen einer möglichen Erfahrung an. Hoffnung findet also nicht nur im Denken statt, sondern ist auch mit allen Sinnen erfahrbar.

Ein weiterer zentraler Gedanke entstand im Gespräch: Hoffnung ist nicht nur etwas, das man selbst empfindet, sondern auch etwas, das man anderen geben kann. Diese Perspektive eröffnete eine soziale Dimension des Themas, die wir im weiteren Verlauf vertieften.
Als literarischer Impuls diente in der zweiten Veranstaltung das Bilderbuch »Wieder Zuhause« von Colleen Rowan Kosinski und Valeria Docampo, das Fragen von Verlust, Veränderung, Rückkehr und Neuorientierung aufgreift.
Im »Gedankenflieger«-Magazin konnten alle Kinder ihre Gedanken vertiefen, weiterentwickeln und neue Denkräume erschließen. Ausgewählte Aufgaben machten z.B. die Kraft positiver Erinnerungen als Hoffnung erfahrbar, Gedankenexperimente luden dazu ein, sich eine Welt vorzustellen, in der die eigenen Hoffnungen erfüllt sind.
Kinder, die vielleicht in der offenen Diskussion eher zurückhaltend waren, konnten hier noch einmal schreibend oder malend ihre Gedanken zum Ausdruck bringen und kamen oft zu erstaunlichen Ergebnissen. Wieder einmal bestätigten uns die begleitenden Lehrkräfte, dass sie ihre Klasse beim Philosophieren von einer neuen Seite kennengelernt hätten und waren sehr offen dafür, mit dem »Gedankenflieger«-Magazin im Unterricht weiter zu arbeiten.
Das freut uns sehr!
Stefanie Segatz