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22. März 2026

Hoffnung kommt von Hüpfen!

»Gedankenflüge« in Eidelstedt mit Stefanie Segatz und Anne Jaspersen.

Was bedeutet es eigentlich, zu hoffen? Dieser Frage sind wir im Rahmen von vier »Gedankenflügen« mit dritten und vierten Klassen der Max-Traeger-Schule in Hamburg-Eidelstedt nachgegangen – und schnell wurde deutlich: Hoffnung ist ein Thema, das Kinder unmittelbar betrifft und bewegt.

Zu Beginn steht eine kleine Einführung in die Philosophie. Gemeinsam überlegen wir, was es heißt, miteinander zu denken, Fragen zu stellen und eigene Gedanken ernst zu nehmen. Dann lassen wir unsere Gedanken zum Thema »Was kann ich hoffen?« fliegen. Schnell zeigt sich: Alle Kinder kennen das Gefühl, zu hoffen.

 

Die Beispiele, die sie mitbingen, sind so vielfältig wie berührend: Ein Kind erzählt, dass es hofft, sein Vater werde bald wieder gesund aus dem Krankenhaus entlassen. Ein anderes wünscht sich, dass sich seine Geburtstagswünsche erfüllen. Und ein neunjähriges Mädchen hofft, dass seine Mutter früher nach Hause kommt, damit es nicht so viel Zeit allein verbringen muss.

 

Gemeinsam arbeiten wir heraus, dass Hoffnung oft mit Vorstellungen von Glück verbunden ist – wir hoffen auf einen guten Ausgang, auf etwas, das uns glücklich macht. Gleichzeitig wird deutlich: Hoffnung hat auch eine verletzliche Seite. Denn wer hofft, weiß auch, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllen könnte. Hoffnung und Angst liegen manchmal nah beieinander.

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Zur Vertiefung des Themas legen wir ein Feld mit bunten Kreisen auf den Boden und bestücken die Kreise mit kleinen Gegenständen, um weitere Assoziationen bezüglich der Frage »Was kann ich hoffen?« zu ermöglichen. Wir fordern die Kinder auf, sich jeweils einen Gegenstand auszusuchen, ihn zu greifen und dann in das jeweilige Feld zu hüpfen, denn der Begriff HOFFEN hat tatsächlich einen Ursprung im niederdeutschen HOPPEN, bzw. im mittelhochdeutschen HÜPFEN.

 

Das Spannende ist natürlich die nachfolgende Begründung: »Auf einen guten Ausgang zu hoffen, lässt mein Herz hüpfen«, erklärt ein Kind seine Wahl, nachdem es mit einem Stoffherz in der Hand auf einem Feld zum Stehen gekommen ist. Ein anderes Kind hüpft einer Blume entgegen, weil es auf Wachstum hofft und eine Öllampe regt dazu an, auf einen Dschinn zu hoffen, der möglicherweise Wünsche erfüllt. Sind WÜNSCHEN und HOFFEN also mit einem ähnlichen Grundgefühl ausgestattet?

 

»Hoffnung fühlt sich an wie ein Wunsch, von dem man nicht weiß, ob er wahr wird oder nicht«,

schreibt Fatma später in unser nagelneues Magazin, das extra zu jedem Thema in Feinarbeit entwickelt wird und von den Kindern am Ende der Veranstaltung mit nach Hause genommen werden darf.

 

Im Anschluss philosophieren wir ausgehend von Bilderbüchern weiter, und zwar mit »Ein Berg, ein Sturz, ein langes Leben« von Dayeon Auh, »Wieder Zuhause« von Colleen Rowan Kosinski und Valeria Docampo oder »Hoffnung« von Corrinne Averiss und Sébastien Pelon. Die Geschichten eröffnen ganz unterschiedliche Perspektiven auf das Hoffen:

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Während in »Ein Berg, ein Sturz, ein langes Leben« die Macht des (verfestigten) Denkens im Vordergrund steht, das entweder die Hoffnung auf eine Perspektive oder eben Perspektivlosigkeit ohne Hoffnung hervorbringt, geht es in »Wieder Zuhause« um den Umgang mit Veränderung. Gibt es Hoffnung, obwohl ich etwas Vertrautes verloren habe? Kann sich ein »Durchhalten« für eine unverhoffte Wendung lohnen? Im Buch mit dem Titel »Hoffnung« geht es um Strategien des Durchhaltens, wenn beispielsweise Genesung im Mittelpunkt steht. Ist es leichter gemeinsam zu hoffen? Und was kann ich tun, um mir selbst Hoffnung zu schenken?

 

Dabei wird deutlich: Hoffnung kann eine Frage der Haltung sein. Ist ein Glas halb voll oder halb leer? Wie wir auf eine Situation blicken, kann beeinflussen, ob wir Hoffnung empfinden. Gleichzeitig zeigt sich, dass sich Hoffnung oft auf unerwartete Weise erfüllt. Manchmal lohnt es sich, schwierige Zeiten auszuhalten und die Hoffnung nicht aufzugeben – um schließlich mit einer neuen Realität beschenkt zu werden, die vielleicht anders ist als ursprünglich erhofft, aber dennoch glücklich machen kann.

 

Im Magazin werden die Erkenntnisse malend oder schreibend zu Papier gebracht. Dabei entstehen hoffnungsvolle Briefe sowie vielfältige Hoffnungstiere, hoffnungsfrohe Erinnerungen und Hoffnungen für die Zukunft.

 

Für uns war es das erste Mal in diesem Jahr, dass wir mit Grundschulkindern zum Thema »Was kann ich hoffen?« philosophiert haben – und es hat sich eindrucksvoll gezeigt: Diese Frage birgt ein großes Potenzial. Sie knüpft unmittelbar an die Erfahrungen der Kinder an und eröffnet zugleich einen Raum für vertiefendes gemeinsames Denken und den so wichtigen Austausch. Ganz herzlichen Dank an die Stiftung Kinderjahre für die großartige Unterstützung!

 

Stefanie Segatz und Anne Jaspersen