
24. Februar 2025
Mutig zur Wahl!
Am 23.02.2025 – Wahlsonntag – mit Anne Jaspersen.
Ein besonderer Sonntag in Hamburg: Viele Menschen treibt es auf die Straßen und in Richtung Zentralbibliothek am Hühnerposten. Es ist der Tag der Bundestagswahl und eine besondere Stimmung liegt in der Luft – es geht schließlich um unsere Zukunft und vor allem um die unserer Kinder.
Die Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg, sonntags geöffnet von 13 bis 18 Uhr, ist an diesem Tag nicht nur ein Ort zum Lesen, Lernen und Austauschen, sondern an diesem Sonntag auch ein Ort zum Wählen und für uns: ein Raum zum Philosophieren. Und zwar mit Kindern! Zum vierten Mal bereiten wir nun – mit dem Projekt »Gedankenflieger« vom Jungen Literaturhaus Hamburg – einen Raum in der Zentralbibliothek vor, um um 13:30 Uhr Kinder und ihre Begleitpersonen zu empfangen.
Wir freuen uns darauf, mit kleinen Philosoph*innen über ein großes und bedeutendes Thema zu philosophieren! Unsere letzte Veranstaltung an diesem Ort platzte fast aus allen Nähten – umso gespannter sind wir, wie viele kleine Philosoph*innen uns heute erwarten. Für unsere Referentin Anne Jaspersen, die auch dieses Mal die öffentliche Philosophiestunde anleitet, sind das wieder einmal spannende und außergewöhnliche Bedingungen, denn normalerweise finden die »Gedankenflüge« innerhalb einer Schulklasse im Rahmen einer Doppelstunde statt – entweder bei uns im Literaturhaus oder vor Ort in den Schulen.
Der große, helle Raum im Obergeschoss der Zentralbibliothek steht nun also bereit, um von aufgeregten Kindern gefüllt zu werden. Mit vier Kindern plus Begleitpersonen ist unsere kleine Philosophenrunde an diesem Wahlsonntag schnell beisammen und wir sind motiviert, unter ganz neuen Bedingungen und in kleiner Runde, die Gedanken fliegen zu lassen!
Begleitet von einem Elternpaar, einer Mutter und einem Großelternpaar dürfen die Kinder einen gemütlichen Platz auswählen. Vor dem großen Bildschirm für das anstehende Bilderbuchkino stehen bunte Kinderbänke sowie weiche Sitzkissen auf dem Boden zur Verfügung, aber auch der selbst mitgebrachte Schoß von Mama ist natürlich eine komfortable Option.

Schnell wird klar, dass sich hier zwei der vier Kinder zu den Hauptansprechpartnern für Anne herauskristallisieren, während die anderen beiden lieber still dem Geschehen lauschen. Was natürlich vollkommen okay ist – niemand wird hier gedrängt, die eigenen persönlichen Gedanken mit einer Gruppe von fremden Personen zu teilen.
Somit sind es Adrian und Salomon, beide 8 Jahre alt, die mutig ihren Gedanken zur großen philosophischen Frage und damit zu unserem Jahresthema »Was bedeutet Mut?« freien Lauf lassen.
Zu Beginn sprechen wir über die Besonderheit des heutigen Tages – die Bundestagswahl – und darüber, welche Rolle Mut in einer politischen Debatte spielen könnte. Anschließend denken wir gemeinsam darüber nach, was Mut ganz allgemein bedeutet. Dabei überlegen sich Adrian und Salomon zum Beispiel verschiedene Situationen und Herausforderungen, in denen wir Mut benötigen und überleitend zum folgenden Bilderbuchkino auch ein paar Berufe, die vermutlich besonders viel Mut erfordern.
Nachdem die beiden uns mitgeteilt haben, welchen Beruf sie sich für ihre eigene Zukunft vorstellen können, wissen wir – wir haben es möglicherweise mit einem angehenden »Profihandballer« und einem »Professor« (Fachbereich undefiniert) zu tun, die nun gemeinsam mit den anderen beiden Kindern gespannt dem Bilderbuchkino lauschen.
Anne liest: »Das ist doch kein Beruf für einen Wolf« von Annette Feldmann und Mareike Engelke, während die Kinder die bunten Bilderbuchseiten auf dem großen Bildschirm gespannt verfolgen.
Es ist immer wieder schön zu sehen, wie inspirierend und mitreißend diese Geschichte von einer jungen Wölfin, die an sich selbst glaubt, für Kinder ist. Auch Salomon und Adrian können sich leicht in die Hauptfigur Isa hineinversetzen und abseits von Rollenklischees und Vorurteilen haben sie keine Zweifel daran, dass Isa ihren Traum, Kapitänin zur See zu werden, selbstverständlich erreichen kann.
Im Anschluss an die kleine Lesung dürfen alle Freiwilligen kleine Gegenstände aus einer Box ziehen, um dann eine Assoziation zum Thema Mut herzustellen. Darunter sind beispielsweise eine Giraffe, ein Hund, eine Spritze oder auch ein rotes Herz aus Stoff. Gibt es eventuell sogar Berufe, die zu den Gegenständen passen könnten?

Der folgende, letzte Part unseres Gedankenflugs ist immer ein besonderes Highlight. Jedes Kind erhält eine Ausgabe unseres »Gedankenflieger«-Magazins, in welchem wir uns zunächst einer Seite widmen, auf der es noch einmal um Berufe geht.
In gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre sitzen wir gemeinsam auf dem Boden; alle anwesenden Kinder bedienen sich der großen Auswahl bunter Stifte und dürfen loslegen, die Seite zu bemalen oder darauf zu schreiben. Die Aufgabe besteht darin, Berufswünsche zu beschreiben, die sie mutig finden und dies anschließend zu begründen. Die Kinder zeichnen und beschreiben hier zum Beispiel Berufe in der Politik, bei der Polizei oder auch den Beruf des Sportlers (insbesondere den eines Handballers) und erklären, warum Mut bei diesen Berufswünschen eine große Rolle spielt.
Zum Abschluss schlagen wir eine Seite mit einem kleinen Quiz auf. Mit der Überschrift »Mutprobe« sind hier jeweils immer zwei Szenarien gegenübergestellt, wobei die Kinder individuell entscheiden und ankreuzen, in welchem sie mehr Mut benötigen würden. Dabei finden wir heraus, dass für jedes Kind teilweise ganz unterschiedliche Situationen mehr Mut erfordern würden, bei manchen Situationen aber auch die gleiche Wahl getroffen wird. Bei der Frage, ob sie lieber »auf einer Kuhweide picknicken« oder »in einem Spukschloss übernachten« würden, sind sich alle einig, lieber die Gefahr einzugehen, den Inhalt ihres Picknickkorbes mit großen, flauschiggefleckten und meist sehr neugierigen Tieren zu teilen, als ihr Bett in einem Spukschloss aufzuschlagen.
Bei der Frage, ob sie lieber »vor der ganzen Schule eine Rede halten« oder »jemandem gestehen würden, in diese Person verliebt zu sein«, werden jedoch unterschiedliche Entscheidungen getroffen.
Nach diesem schönen Abschlussgespräch beenden wir die Veranstaltung und stellen fest: Auch in kleinster Runde ist der gedankliche Ausflug in die Welt des Mutigseins ebenso wertvoll wie in großer Runde und bedanken uns für die Teilnahme aller Anwesenden an dem heutigen »Gedankenflug«!
Melanie Westphal