
10. Mai 2026
Hoffnung ist eine Haltung!
»Gedankenflieger« on tour in Salzgitter mit Stefanie Segatz und Anne Jaspersen.
Tag 3 und 4: Grundschule am Ostertal mit der Außenstelle Salder – wie fühlt sich Hoffnung an?
Ein wenig durchnässt und doch voller Hoffnung (wenn es regnet, wachsen Blumen besonders gut) erreichten wir am Mittwoch sowie am Donnerstag die Grundschule am Ostertal, wo uns interessierte dritte Klassen erwarteten. Für einen einzelnen »Gedankenflug« (ebenfalls mit einer dritten Klasse) besuchten wir die Außenstelle Salder, ganz in der Nähe der Grundschule am Ostertal.
Nach einer kurzen Einführung ins Philosophieren packten wir unsere imaginären Lupen aus und näherten uns mit Hilfe einer spielerischen Einheit der zentralen Frage: »Was kann ich hoffen?« Dabei hüpften einzelne Kinder abwechselnd auf große bunte Papp-Punkte, die wiederum mit unterschiedlichen Gegenständen bestückt waren. Sprachlich gesehen, hat das Wort HOFFEN seinen Ursprung nämlich im HÜPFEN. Und da die aktiv gelebte Hoffnung ja offensichtlich eine positive Haltung widerspiegelt (wie einige Kinder im Laufe der Veranstaltungen feststellten), passt das Hüpfen hervorragend zu dieser Lebenseinstellung.
Im Spiel unterstützten die anderen Kinder das Einzelhüpfen mit einem gemeinsamen Hüpfer am Platz (zusammen fällt das Hoffen leichter) und leisteten Hilfestellung bei der Überlegung, was der jeweilige Gegenstand wohl mit dem Thema Hoffnung zu tun haben könnte: Ein Kompass ließ darauf hoffen, sich im Leben gut orientieren zu können und den passenden Weg zu finden oder auch die Möglichkeit zu bekommen, die Welt zu erkunden. Eine Spritze machte Hoffnung auf Gesundheit, bzw. auf Genesung von Familienmitgliedern oder Freunden. Aber auch die Hoffnung, einen passenden Beruf zu finden, steckte in der Spritze.
»Ich wünsche mir Frieden auf der Welt«, bemerkte ein Kind mit einem Stoffherz in der Hand und dafür sei natürlich die Liebe wichtig. »Und Veränderung«, ergänzte ein anderes Kind, »darauf kann man auch hoffen.«
Den Gedanken, dass Musik ein frohes und hoffnungsvolles Gefühl im Innern auslösen kann, ließ ein Musikinstrument (ein Kazoo) durch den Raum fliegen und ein Schlüssel würde natürlich unbedingt gebraucht werden, um die erhofften Türen zu öffnen. Der Marienkäfer brachte den Wunsch nach Schutz von Tier und Natur hervor, aber auch das Glück könnte winken, wenn ein Marienkäfer den eigenen Weg kreuzte.

Für eine weitere Gruppe haben wir das Spiel ein wenig modifiziert: Auch hier wurde munter auf Punkte gehüpft – statt des Assoziierens mit Gegenständen, haben wir jedoch die fünf Sinne bemüht: Kann ich Hoffnung fühlen, schmecken, riechen, sehen, hören? Dazu wurden die Punkte nach dem Sprung umgedreht und die entsprechenden Wörter kamen zum Vorschein. »Hoffnung kann man im Gehirn und im Herzen fühlen«, bemerkte Deniz (9 Jahre) und Luisa fand, dass Hoffnung hörbar wird, wenn jede und jeder seine Meinung frei äußern darf.
Der Hoffnung spendende Duft des Lieblingsessens wurde nicht nur beim Riechen, sondern auch bei Schmecken erwähnt und die indviduelle Sicht auf die Dinge hat natürlich auch etwas mit Hoffnung zu tun: Finde ich eine konstruktive Lösung für eine schwierige Situation oder gebe ich die Hoffnung auf?
Hoffnung ist also gar nicht so abstrakt wie anfangs möglicherweise angenommen, sondern auch konkret fühl- und erlebbar. Zum Beispiel, wenn eben jene Hoffnung schwindet oder neue Hoffnung aufflammt. Das wird anhand des koreanischen Bilderbuchmärchens »Ein Berg, ein Sturz, ein langes Leben« von Daeyon Auh sehr deutlich, in dem ein Großvater krank wird, weil er seine Hoffnung verliert, doch durch eine veränderte Perspektive neue Hoffnung schöpft und sich auf einmal so gesund fühlt wie noch nie.
Das Bilderbuch »Für dich hab ich Wörter bis zum Mond« von Felicita Sala haben wir mit verteilten Rollen gelesen, wodurch die Kinder während des Vorlesens hervorragend in die Geschichte eintauchen und überlegen konnten, was denn nun wäre, wenn der Papa aus der Geschichte keine Wörter mehr für seine Tochter parat hätte und stattdessen nur noch in sein Handy tippen würde – gäbe es dann noch Hoffnung? Und welche vier Wörter könnte der Papa seiner Tochter am Ende ins Ohr flüstern?

Im Magazin durften die Kinder überlegen, was ihnen Sicherheit und Hoffnung geben könnte und welche Wörter sie gerne vor dem Einschlafen von ihren eigenen Eltern hören würden. »Schlaf gut, träume schön« kam häufiger vor, aber auch »Gleich kommt deine Katze« oder »ich hab unendliche Wörter«.
Außerdem wurde nach hoffnungsvollen Lösungen gesucht, wenn das Leben mal nicht so läuft wie ursprünglich gewünscht: »Wenn mir das Essen nicht schmeckt, dann hoffe ich, dass es morgen etwas Leckeres gibt.« oder »Wenn der Sommer vorbei ist, dann freue ich mich auf den nächsten Sommer.« oder »Wenn wir in den Ferien zu Hause bleiben, kann ich mehr Zeit mit meinen Freunden verbringen«.
Zum Abschluss gab es noch die Möglichkeit, eine Hoffnungsbotschaft an die Welt zu senden: »Dass die Welt immer gesund bleibt«, »dass es keine Kriege mehr gibt« und »dass die Menschen sich besser verstehen, sich gegenseitig respektieren und aufeinander achten« waren einige der Botschaften, die uns aus dem Herzen sprachen. Und wir können nur sagen: Ja. Genau deshalb machen wir diese Arbeit. Wir wollen so früh wie möglich Kinder für die relevanten Themen und Fragen unserer Zeit sensibilisieren, mit ihnen ins Gespräch kommen und ihnen Raum für ihre Gedanken geben. Denn die Kinder machen uns Hoffnung auf eine bessere, von ihnen klug mitgestaltete Welt, und diese Art von Hoffnung können wir momentan bestimmt alle gut gebrauchen.
Ganz herzlichen Dank für diese Möglichkeit an alle Teilnehmenden, Lehrkräfte und Unterstützer*innen und ganz besonders an Frau Viering vom Literaturbüro der Stadt Salzgitter und an die Braunschweigische Sparkassenstiftung für die Förderung!
Anne Jaspersen