Montag, 02.11.2015

Parchim

Ab die Post in Parchim! Parchim ist die erste Station in Mecklenburg-Vorpommern.

Frage: »Was brauchst du zum Leben?« Antwort: » Das Internet.« Frage: »Wieso ist das so wichtig?« Antwort: »Weil ich dann Leute anrufen kann, die ich lieb hab´, die nicht hier leben.«

Gestern noch, auf der Landstraße von Hamburg nach Parchim,  leuchtete das Laub der Allee golden und rot – „indian summer“ im Mecklenburgischen. Heute Morgen ist davon nichts zu sehen. Eine dicke Nebeldecke liegt über Parchim, doch dann, welch Glück: Freundliches Licht und der warme Händedruck von Frau Holdt in der Stadtbibliothek. Wir philosophieren heute mit zwei dritten Klassen der Grundschule Parchim, zunächst kommt die 3b. Miriam Holzapfel zeigt den Kindern  das Gemälde »Die Schule von Athen« von Raffael. Dort sind die großen Philosophen zu sehen: Aristoteles, Platon u.v.a., in Gewänder gehüllte ältere Männer, vornehmlich mit weißen Bärten. Als nächstes zeigt sie zwei Fotos von Kindern, die bei der 1. Gedankenflieger-Tour im Frühjahr entstanden sind: Jungs und Mädchen, wie »du und ich« – das sind auch Philosophen!

Wir lesen das Bilderbuch »Zu verschenken« von Michael Roher (mehr dazu unter Neuigkeiten/Buchtipps). Dann fragen wir die Kinder, ob sie sich selbst vorstellen könnten, Sachen zu verschenken. Wenn ja, welche? Den Kindern fällt viel ein, einhellig meinen sie, es sei ein »schönes Gefühl« etwas zu verschenken. Ein Kind meint, es sei doch besser die Sachen zu verkaufen, andere widersprechen und meinen, es habe ja nicht jeder so viel Geld. In der anderen Klasse, der 3a, verläuft die Diskussion interessanterweise ganz anders. Das erste Kind, das sich zu Wort meldet, meint, es würde gerne etwas weggeben, das sei aber auch traurig. Ein Mädchen sagt, dass »man sich auch trennen können muss«, aber, so ein anderes, »es hängen Erinnerungen an den Dingen«. Ganze Verwertungsketten von großen auf kleine Geschwister, bzw. von Cousins auf Cousinen werden vorgestellt, auch wie sehr man an einem Haustier hängen kann ist ein Thema. Im weiteren Verlauf sprechen wir in beiden Klassen darüber, was zum Leben wichtig ist und finden raus, dass da zum einen Dinge sind, die man kaufen kann, andere aber nicht.

»Freundschaft  – die kann man nicht kaufen. Die ist zu cool.«

Wir zeigen auch die Gedankenflieger-Karte auf der unsere Reisestationen eingezeichnet sind. Auf die Frage, ob sie den Kindern in Neu Kaliß gerne eine Postkarte schicken wollen, sind sie begeistert. Wir lassen unsere Philosophie-Stunde noch einmal Revue passieren (mit Hilfe des »roten Fadens«) und sie entscheiden sich für die Fragen: »Wie ist euer Leben?«, »Seid ihr glücklich?«, »Vermisst ihr jemanden?« und »Was braucht ihr zum Leben?«

Und dann machen sich die Kinder wieder auf den Weg, 40 Minuten Fußmarsch liegen vor ihnen, das pustet den Kopf durch und macht wach. Der Bus sei ohnehin zu teuer, sagt die engagierte Lehrerin, Frau Wilzewski, die häufiger mit ihrer Klasse philosophiert. Sie berichtet auch von der Integration von ausländischen Kindern: »Wenn die Eltern dahinter stehen und die Kinder regelmäßig die Schule besuchen, dann geht das ganz flott. Nach einem halben Jahr sprechen die Kinder oft schon sehr gut. Kürzlich hat eine Mutter geweint und gesagt, sie schäme sich, weil ihre Töchter besser sprächen als sie selbst. Aber das ist ja klar, die sprechen eben mit den anderen Kindern beim Spielen.« Und auch beim Philosophieren verbessern sich die Sprachkenntnisse ganz enorm: In Bilderbüchern werden Dinge gezeigt und benannt, Kinder hören zu und suchen selbst nach passenden Worten. Wir packen die Postkarten ein und freuen uns darauf, die Fragen in Neu Kaliß wieder aufzunehmen.

 

Unsere nächsten Termine

Im Herbst 2015 reist das Philomobil nach Mecklenburg-Vorpommern.