Dienstag, 03.11.2015

Neu Kaliß

Neue Tour – Neuer Tag – Neu Kaliß! Das Philomobil erreicht den Süden Mecklenburgs und ist bereit für alle Nachwuchsdenker der kleinen Grundschule Neu Kaliß.

»Wenn die Flüchtlingskinder mit unseren Sachen spielen können, dann müssen sie vielleicht nicht mehr so viel an ihre Heimat denken.« (Jette)

Am zweiten Tag unserer Gedankenflieger-Reise hat der Nebel die Gegend um Neu Kaliß fast komplett verschluckt. Die kleine Dorfgrundschule im südlichen Mecklenburg finden wir glücklicherweise trotzdem, 70 Kinder kommen hier jeden Tag her. Entsprechend intim ist die Atmosphäre in der kleinen Schulbibliothek, wo wir auf Teppichen und Sitzkissen heute mit zwei Klassen nacheinander philosophieren.

 

Aus Parchim haben wir Post mit einer philosophischen Frage an die Kinder in Neu Kaliß mitgebracht: »Seid ihr glücklich?« steht darauf. Eine große Frage, die ein Junge spontan mit »Ja!« beantwortet. Isabell Köster kreist ein: »Was gehört denn zum Glücklichsein dazu? Was brauchst du unbedingt? Was wünschst du dir z.B von deinen Eltern? Und welche Wünsche kannst Du dir selbst erfüllen?« »Also, bei DEM Wetter bin ich schon mal nicht so glücklich, so viel ist klar«, sagt ein Junge. Und schon sind die Kinder beim Wetter, das die Stimmung beeinflusst, beim Sauerstoff, den man unbedingt braucht, und bei der Wärme, damit man nicht erfriert. Auf kleinen Zetteln notiert die Klasse, was sie darüber hinaus noch brauchen, damit es ihnen gut geht. Sie unterscheiden »Unentbehrliches« von »Schönem« und »Zufriedenheit« von »Glücksmomenten«.

 

Bei der Vorlesegeschichte »Die Wörterfabrik« sind die Kinder ganz bei der Sache (siehe Buchtipp). Ein Land, in dem man Wörter kaufen muss? Das ist merkwürdig. Könnte man dort leben? Welche Regeln wären denn wünschenswert für das Land, in dem man zuhause ist? Was könnte sich verbessern?

 

»Insgesamt könnte die Welt noch schöner sein« (Nick)

Ein anderes Kind stimmt zu, die Luft in den Städten sei zum Beispiel sehr schlecht. Das bringt uns zur Postkarte für die Kinder, die wir am Folgetag besuchen. Sie wohnen in Rostock. Ob die wohl zufrieden sind in der Stadt? Ob man dort ein gutes Leben haben kann? Fragen wir sie doch einfach, mit Hilfe unserer Gedankenflieger-Post, die wir am nächsten Tag zustellen werden.

 

Mit der nächsten Klasse liest Isabell Köster das Buch »Zu verschenken«. Für die Idee, überflüssige Gegenstände zu verschenken, begeistert sich die Klasse sofort. Und schnell werden Vorschläge gemacht, was man alles verschenken könnte – und an wen. Ist es schöner, jemandem etwas zu schenken, den man gut kennt? »Man kann auch einige Sachen den Flüchtlingen geben« sagt Jette. Ein Kind ergänzt, dass es ja schließlich auch glücklich macht, wenn man jemandem eine Freude macht, egal, ob man ihn kennt oder nicht. Jasmin: »Das ist bei den Flüchtlingen einfach weil denen so viel fehlt.« Was denken die Kinder in Rostock wohl über diese Frage? Leon vermutet, dass das Schenken dort leichter fällt »weil die Leute in der Stadt mehr Geld haben und mehr Läden, in denen man etwas kaufen kann«. Aber sind denn die Josefs aus dem Buch reich? Wir schauen nach: Das Haus der Familie im Bilderbuch ist sehr klein, es ist nicht einmal Platz für den Bären.

 

Im Arbeitsheft schreiben die Kinder ihre Gedanken zur Frage »Was ist mir lieb und teuer?« auf und notieren, wann sie sich einmal reich gefühlt haben. »Als ich einmal lange gespart habe, dachte ich, ich hätte schon tausend Euro und wäre reich. Dabei waren es nur hundert. Aber das Gefühl war trotzdem gut!« sagt ein Kind. Und kommt es genau darauf nicht auch irgendwie an?

Unsere nächsten Termine

Im Herbst 2015 reist das Philomobil nach Mecklenburg-Vorpommern.