Freitag, 06.11.2015

Malchin

Schweiz ohne Berge? Malchin in der Mecklenburgischen Schweiz! Wir setzen zur Landung an und freuen uns auf spannende Gedankenspiele zum Ende unserer Reise im Herzen Mecklenburg Vorpommerns.

»Vom Inneren her sind wir alle anders. Und darauf kommt es ja an.« (Sarah)

Malchin liegt ungefähr in der Mitte Mecklenburgs, fast genau zwischen dem Malchiner See und dem Kummerower See. In der Stadtbibliothek treffen wir eine vierte Klasse der nahen Grundschule, die von immer weniger Schülern besucht wird, wie uns die Lehrerin erzählt. Macht allein das die Kinder in Malchin zu etwas Besonderem? Oder gehört zum Besonderssein noch mehr dazu? Wir schauen uns heute wieder das Buch »Sam und Dave« an und beginnen im Anschluss das Gespräch. In der Klasse sind Zwillingsbrüder, die sich sehr ähnlich sehen und doch auch sehr verschieden sind, »vom Inneren her«. Also loten wir die Unterschiede in der Klasse aus, treffen dabei aber auch auf viele Gemeinsamkeiten: Für viele Kinder ist die Familie ein besonderer Schatz, die meisten sind stolz auf jüngere Geschwister. Das haben uns die Kinder in nahezu allen Orten, die wir bisher besucht haben, so erzählt. Und fast jeder in der Klasse fürchtet sich vor etwas, aber jeder vor etwas anderem. Auch das gehört zum Inneren dazu und macht die Besonderheit eines Menschen aus.

Im nur wenige Kilometer entfernten Remplin besuchen wir anschließend die letzte Klasse auf unserer Herbstreise. Wir erzählen in der Benjamin-Schule von den Kindern, die wir getroffen haben, von Erfahrungen, die neu waren und von Überraschungen, die wir erlebt haben. Wieder wird uns viel Aufmerksamkeit und Neugier darauf entgegengebracht, wie Kinder anderswo leben und was sie denken. Schnell werden Vergleiche angestellt und Unterschiede festgestellt. Im Anschluss an  »Sam und Dave« überlegen wir, was der Begriff »besonders« eigentlich bedeutet und suchen dafür das Gegenteil. »Könnte es vielleicht ,langweilig‘ sein?« schlägt ein Junge vor. Ein anderer meint, das Gegenteil von besonders sei so etwas wie Alltag und wir einigen uns schließlich auf »normal«. Und obwohl sich alle für normal halten, fühlt sich doch jedes Kind zugleich als etwas Besonderes. In der Runde werden als Belege dafür Fertigkeiten und Begabungen aufgezählt, außerdem bemerkenswerte Haustiere. Schließlich meldet sich ein Junge stolz und sagt: »Ich bin etwas Besonderes, ich habe am Tag des Mauerfalls Geburtstag!«.

»Freiheit kannst du nicht kaufen, du kannst vielleicht mit Geld aus einem Gefängnis rauskommen, wenn du es den Wärtern gibst, aber dann ist das nicht gekauft, sondern geschummelt! Man darf das nicht!« (Frida)

Als wir nach Dingen suchen, die besonders wertvoll sind, fallen nahezu allen Haustiere ein, die neben der Familie offenbar eine sehr wichtige Rolle spielen. Schließlich nennt ein Mädchen die »Freiheit« als ganz besonderes Gut. Kann man die kaufen? Ein Junge glaubt, das sei möglich, ihm seien Sklaven eingefallen, die man freikaufen könne. Ein Mädchen widerspricht: »Freiheit ist keine ganz normale Ware!«. Aber steht sie den Kindern denn nicht zur Verfügung? Die Meinungen gehen auseinander, viele fühlen sich doch aber innerhalb eines geregelten Raumes frei. Und selbst in der Schule gibt es Zeiten, wo die Kinder selbst bestimmen können, was sie bearbeiten möchten, außerdem können sie aus verschiedenen AGs wählen. Das gibt ihnen das Gefühl, mitentscheiden zu können, was als maßgebliches Kriterium für ein Freiheitsgefühl genannt wird. Und gilt das auch für die Haustiere? Sind die frei oder und frei? »Gewissermaßen schon«, sagt ein Junge, schließlich müsse seine Schildkröte nicht tun, was sie nicht möchte und könne immer entscheiden, was sie gerne machen will. Schildkröte müsste man sein.

Ein Schildkrötenpanzer wäre gerade bei dem Nieselregen praktisch, mit dem Mecklenburg uns den Abschied ein wenig erleichtert. Zwar krabbeln wir nicht in einen Panzer, aber doch immerhin in das warme Philomobil, das uns sicher und trocken nachhause bringt. Auf Wiedersehen, Mecklenburg-Vorpommern! Hallo Hamburg!

Unsere nächsten Termine

Im Herbst 2015 reist das Philomobil nach Mecklenburg-Vorpommern.